Struvitsteine sind die häufigsten Harnsteine bei Hunden. Sie können erhebliche Beschwerden verursachen und im schlimmsten Fall zu einem vollständigen Harnröhrenverschluss führen. Frühzeitiges Handeln ist wichtig, denn kleinere Struvitkristalle lassen sich häufig noch gut auflösen oder einfach mit dem Urin ausscheiden. Haben sich bereits größere Steine gebildet, ist die Behandlung meist langwieriger und in manchen Fällen eine Operation erforderlich.
Was versteht man unter Struvitsteinen bei Hunden?
Struvitsteine sind eine spezielle Form von Harnsteinen, die aus einer Verbindung von Magnesium, Ammonium und Phosphat bestehen. Es handelt sich um feste Mineralablagerungen, die sich aus anfänglich mikroskopisch kleinen Kristallen im Urin zu größeren Steinen entwickeln. Diese Steine bilden sich überwiegend in der Harnblase. In seltenen Fällen können sie auch in den Harnleitern vorkommen und den Harnabfluss der Niere behindern. Gelangen sie aus der Harnblase in die Harnröhre, können sie dort den Harnabfluss teilweise oder vollständig blockieren. Da sie sich zumeist in der Harnblase bilden, werden Struvitsteine im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch als Blasensteine bezeichnet.
Wie kommt es zur Bildung von Struvitsteinen im Harntrakt des Hundes?
Bei Hunden entstehen Struvitsteine fast ausschließlich infolge einer bakteriellen Harnwegsinfektion. Sie bilden sich insbesondere dann, wenn der Urin über längere Zeit alkalisch ist, also einen pH-Wert von etwa 6,5 oder höher aufweist. Der Harn-pH schwankt jedoch natürlicherweise im Tagesverlauf. Vor allem in den ersten Stunden nach einer Mahlzeit steigt er an, bevor er anschließend wieder absinkt. Solche Schwankungen sind normal und allein kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es erst, wenn der Urin über einen längeren Zeitraum alkalisch bleibt. Dies ist bei Hunden meist die Folge einer Harnwegsinfektion mit ureaseproduzierenden Bakterien. Diese spalten Harnstoff zu Ammoniak, wodurch der Harn alkalischer wird. Unter diesen Bedingungen können sich Magnesium, Ammonium und Phosphat leichter zu Struvitkristallen verbinden, aus denen schließlich Struvitsteine entstehen können.
Eine Studie von Uttamamul et al. (2022) brachte hervor, dass weibliche Hunde ein mehr als zehnfach höheres Risiko für Struvitsteine im Vergleich zu Rüden aufweisen. Der Grund hierfür ist vor allem die deutlich höhere Anfälligkeit von Hündinnen für bakterielle Harnwegsinfektionen. Aufgrund der kürzeren und breiteren Harnröhre und des Hinhockens beim Urinieren können Bakterien bei weiblichen Hunden leichter in die Harnblase eindringen. Rüden haben dagegen aufgrund der längeren und deutlich engeren Harnröhre ein höheres Risiko für Harnröhrenverschlüsse.
Was unterscheidet Struvitsteine von anderen Harnsteinen?
Neben Struvitsteinen können bei Hunden auch andere Harnsteinarten auftreten – am häufigsten Calciumoxalatsteine (Oxalatsteine).
Die wichtigsten Unterschiede sind:
- Struvitsteine entstehen bei Hunden häufig infolge bakterieller Harnwegsinfektionen und können sich in vielen Fällen durch eine gezielte Ernährung und Behandlung wieder auflösen.
- Calciumoxalatsteine entstehen meist unabhängig von Infektionen und lassen sich nicht auflösen.
Die genaue Bestimmung der Harnsteinart ist wichtig, denn nicht jede Harnsteindiät eignet sich für jede Art von Harnsteinen. Zusätzlich müssen mögliche Begleiterkrankungen und die individuelle Situation des Hundes berücksichtigt werden. Deshalb sollte die Ernährung immer auf die beim jeweiligen Hund vorliegende Problematik abgestimmt werden. Je nach Diagnose kann die behandelnde Tierarztpraxis ein passendes Hunde-Spezialfutter empfehlen.
Welche Hunderassen sind anfälliger für Struvitsteine?
Es können sich bei jedem Hund Struvitsteine bilden. Epidemiologische Studien zeigen aber, dass einige kleine Hunderassen häufiger betroffen sind. Dazu zählen unter anderem:
- Mops
- Shih Tzu
- Bichon Frisé
- Pekinese
- Zwergschnauzer
Das erhöhte Risiko kann verschiedene Ursachen haben: genetische Prädisposition, eine erhöhte Neigung zu Harnwegsinfektionen oder anatomische Besonderheiten des Harntraktes.
Weitere Risikofaktoren für das Auftreten von Struvitsteinen sind Übergewicht, Bewegungsmangel und eine geringe Flüssigkeitsaufnahme.
Mit welchen Symptomen gehen Struvitsteine bei Hunden einher?
Die Symptome entsprechen denen einer Blaseninfektion, wobei die Steine die Blasenwand zusätzlich reizen. Je nach Größe und Lage der Steine können die Beschwerden mild, aber auch lebensbedrohlich sein. Folgende Symptome können auftreten:
| Symptome | Beschreibung |
|---|---|
| Häufiges Urinieren | Der Hund setzt häufiger als üblich kleine Mengen Urin ab. |
| Schmerzen beim Wasserlassen | Das Urinieren wird begleitet von Winseln, Jaulen und Unruhe. |
| Probleme beim Wasserlassen | Je nach Größe und Lage der Harnsteine kann der Hund nur noch tröpfchenweise oder gar keinen Urin mehr absetzen. In letzterem Fall handelt es sich um einen medizinischen Notfall. |
| Veränderter Urin | Der Urin ist rötlich oder trüb verfärbt. Möglich ist auch ein ungewöhnlich starker Geruch. |
| Unsauberkeit | Es kann vorkommen, dass betroffene Hunde ihren Urin nicht mehr halten können und unsauber werden. |
| Lecken im Bauch- und Genitalbereich | Wiederholtes, intensives Lecken ist ein Hinweis auf eine Reizung oder Schmerzen. |
Behandlung von Struvitsteinen bei Hunden
Welche Behandlung bei Struvitsteinen gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem Größe, Anzahl und Lage der Steine, der Allgemeinzustand des Hundes sowie das Vorliegen einer bakteriellen Harnwegsinfektion. In vielen Fällen lassen sich Struvitsteine durch ein geeignetes Diätfutter und eine gezielte Therapie der Harnwegsinfektion erfolgreich auflösen.
Diagnostik beim Tierarzt
Übergewicht beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität eines Hundes, sondern kann zahlreiche Erkrankungen begünstigen:
Zur Diagnose stehen dem Tierarzt mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:
- Klinische Allgemeinuntersuchung: Rundum-Check des Hundes
- Urinuntersuchung: Bestimmung des pH-Werts und Überprüfung auf Kristalle, Bakterien, Blut und Entzündungszellen
- Röntgen & Ultraschall: Bildgebende Verfahren können helfen, das Vorliegen von Harnsteinen zu bestätigen, sowie Anzahl, Lage und Größe der Steine zu bestimmen.
- Blutuntersuchung: Sie kann die Diagnostik sinnvoll ergänzen und gibt Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes, die Funktion der Nieren sowie Hinweise auf Entzündungen oder Begleiterkrankungen.
Die Kombination der Verfahren ermöglicht eine fundierte Diagnose, die Abgrenzung zu anderen Harnsteinarten und eine gezielte Therapie.
Behandlung durch Auflösen der Struvitsteine
- Ernährungsumstellung: In den meisten Fällen lassen sich Struvitsteine ohne Operation behandeln. Dazu werden spezielle Diätfuttermittel eingesetzt, die den Harn stärker ansäuern als herkömmliche Alleinfuttermittel. Gleichzeitig enthalten sie geringere Mengen bestimmter Mineralstoffe, die an der Bildung von Struvitsteinen beteiligt sind, sowie moderate Mengen an hochverdaulichem Eiweiß. Durch die Veränderung der Harnzusammensetzung können sich die Steine im Laufe mehrerer Wochen bis Monate nach und nach auflösen. Wichtig ist, die Diät ausschließlich unter tierärztlicher Kontrolle durchzuführen. Regelmäßige Urinkontrollen sind notwendig, um den Therapieerfolg zu überprüfen.
- Antibiotikatherapie: Bei Hunden stehen Struvitsteine in den meisten Fällen im Zusammenhang mit einer bakteriellen Harnwegsinfektion. Solange die Infektion besteht, werden die Bedingungen für die Bildung neuer Struvitsteine weiter begünstigt. Eine Futterumstellung allein reicht dann nicht aus.. Aus einer steril gewonnenen Urinprobe sollte eine bakteriologische Untersuchung mit Antibiogramm durchgeführt werden. So kann gezielt ein wirksames Antibiotikum ausgewählt werden. Das Antibiotikum sollte entsprechend der tierärztlichen Anweisung bis zum Ende der verordneten Behandlungsdauer gegeben werden. Andernfalls können Bakterien überleben und die Neubildung von Struvitsteinen begünstigen.
Sind die Struvitsteine sehr groß oder lassen sie sich nicht ausreichend auflösen, kann eine operative Entfernung notwendig sein. Verschließen die Steine den Harnleiter oder die Harnröhre und verhindern dadurch den Harnabfluss, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. In der Tiermedizin wird dies auch als Verlegung der Harnwege bezeichnet. Der Harnabfluss muss dann schnellstmöglich wiederhergestellt werden, um schwere Folgeschäden zu vermeiden.
Gibt es Hausmittel gegen Harnsteine?
Im Internet kursieren zahlreiche Empfehlungen zu Hausmitteln wie Apfelessig, Kräutertees, Cranberry-Produkte oder Zitronensäfte, die den Urin ansäuern und Harnsteine lösen sollen. Diese Mittel sind jedoch in ihrer Wirksamkeit beim Hund nicht ausreichend wissenschaftlich belegt, ihre Dosierung ist völlig unklar und sie können Magen-Darm-Beschwerden oder eine Verschiebung des Mineralstoffhaushalts verursachen.
Pflanzliche Präparate, die als harntreibend oder entzündungshemmend bekannt sind, können nach Absprache mit dem Tierarzt als ergänzende Maßnahme eingesetzt werden, sollten aber keinesfalls eine fundierte Diagnostik und die gezielte Behandlung von Harnsteinen und Infektionen ersetzen. Bevor Sie ein Hausmittel verwenden, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Tierarzt besprechen, ob es für Ihren Hund in seiner Situation sinnvoll und sicher ist.
Richtige Ernährung für Hunde mit Struvitsteinen
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Struvitsteinen. Ziel ist es, die Übersättigung des Urins mit den an der Struvitbildung beteiligten Mineralstoffen zu verringern, einen leicht sauren Harn zu fördern und die Harnverdünnung zu verbessern. Hierfür steht spezielles Futter für Hunde mit Harnsteinen zur Verfügung.
Diät-Alleinfuttermittel zur Auflösung von Struvitsteinen zeichnen sich durch moderate Mengen an sehr hoch verdaulichem Eiweiß, einen angepassten Gehalt an struvitbildenden Mineralstoffen sowie harnansäuernde Eigenschaften aus. Während Nassfutter durch seinen hohen Feuchtigkeitsgehalt zu einer besseren Harnverdünnung beiträgt, kann Trockenfutter zusätzlich Inhaltsstoffe enthalten, die die Harnausscheidung unterstützen können. Eine gute Harnverdünnung hilft, die Konzentration der an der Struvitsteinbildung beteiligten Stoffe im Urin zu senken und kann so das Risiko eines erneuten Auftretens von Struvitsteinen verringern.
In Absprache mit dem Tierarzt kann ein Nahrungsergänzungsmittel für Hunde mit Harnwegsproblemen sinnvoll sein. Einige pflanzliche Bestandteile werden traditionell zur Unterstützung der Harnausscheidung eingesetzt. Solche Ergänzungen können eine tierärztlich empfohlene Diät unterstützen, ersetzen diese jedoch nicht.
Um den Erfolg einer Therapie nicht zu gefährden, sollten Sie Ihren Tierarzt auch nach geeigneten bzw. nicht geeigneten Leckerlis und Snacks fragen. Insbesondere auf stark mineralstoffreiche Produkte sollten Sie verzichten.
Häufig gestellte Fragen zu Harnsteinen bei Hunden
Harnsteine führen bei Hundehaltern zu vielen Fragen – vor allem auch, wie das Risiko der Entstehung verringert werden kann.
Was kann ich tun, um Struvitsteine bei meinem Hund zu verhindern?
Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und eine möglichst hohe Flüssigkeitsaufnahme. Lassen Sie Harnwegsinfektionen konsequent behandeln und führen Sie bei Risikohunden regelmäßige Urinkontrollen durch. Eine frühzeitige Therapie einer Blasenentzündung ist ein wichtiger Präventionsschritt.
Wie beeinflusst die Flüssigkeitsaufnahme meines Hundes das Risiko für Struvitsteine?
Eine hohe Flüssigkeitsaufnahme verdünnt den Urin, reduziert die Konzentration steinbildender Substanzen und erleichtert das Ausspülen kleiner Kristalle. Dadurch sinkt das Risiko für Struvitsteine deutlich. Nassfutter oder das Anreichern des Futters mit Wasser kann hierbei unterstützen.
